Feuchtigkeit & Schimmel · 6 Min. Lesezeit

Schimmel vorbeugen: richtig lüften, heizen und nach dem Renovieren trocknen

Die meisten Schimmelschäden in Wohnräumen entstehen nicht durch undichte Wände, sondern durch Luftfeuchtigkeit, die nicht nach draußen kommt. Mit ein paar einfachen Gewohnheiten beim Lüften und Heizen halten Sie Ihre Wände trocken – und sparen sich die Behandlung, die sonst später fällig wird.

Warum feuchte Luft zum Problem wird

In einem normalen Haushalt fallen jeden Tag mehrere Liter Wasser als Dampf an: durch Kochen, Duschen, Wäschetrocknen, Zimmerpflanzen und schlicht durchs Atmen. Warme Luft kann viel davon aufnehmen. Trifft sie aber auf eine kühlere Fläche – die Außenwand hinter dem Schrank, die Fensterlaibung, die Zimmerecke –, kühlt sie ab und gibt die Feuchtigkeit als Kondenswasser wieder ab. Bleibt diese Stelle dauerhaft feucht, hat Schimmel ideale Bedingungen. Das Ziel ist deshalb einfach: die feuchte Luft raus, bevor sie sich an den kalten Flächen niederschlägt.

Stoßlüften statt Dauerkippen

Der wirksamste Hebel ist richtiges Lüften. Und das heißt: kurz und kräftig statt lang und halb. Öffnen Sie das Fenster mehrmals täglich für einige Minuten ganz – im Winter reichen oft fünf bis zehn Minuten, im Sommer etwas länger. Noch besser ist Querlüften mit gegenüberliegenden Fenstern, das tauscht die Luft in wenigen Minuten komplett aus.

Ein dauerhaft gekipptes Fenster wirkt dagegen kontraproduktiv: Es entfeuchtet kaum, kühlt aber die Wand rund um die Öffnung stark ab – und schafft so genau die kalte Fläche, an der Schimmel gern beginnt. Besonders wichtig ist das Stoßlüften nach dem Duschen und Kochen, wenn viel Dampf auf einmal entsteht.

Gleichmäßig heizen – auch in Nebenräumen

Lüften und Heizen gehören zusammen. Warme Wände kondensieren weniger. Wer einzelne Räume ganz auskühlen lässt und die Türen zu beheizten Zimmern offen hält, transportiert warme, feuchte Luft in den kalten Raum – wo sie an den Wänden niederschlägt. Halten Sie deshalb auch Schlaf- und wenig genutzte Räume auf einer moderaten Grundtemperatur und lüften Sie sie regelmäßig. Die Tür zwischen stark und wenig beheizten Räumen bleibt dabei besser geschlossen.

Ein paar bauliche Kleinigkeiten

Besondere Aufmerksamkeit nach dem Renovieren

Frisch verputzte, gespachtelte oder gestrichene Räume enthalten viel Baufeuchte, die über Wochen entweicht. Estrich und neuer Putz geben besonders viel Wasser ab. In dieser Zeit gilt: häufiger lüften als gewohnt und gleichzeitig ausreichend heizen, damit die Feuchtigkeit wirklich nach draußen transportiert wird und nicht an noch kühlen Flächen kondensiert. Gerade in einem nagelneuen oder gerade renovierten Zuhause ist das der wunde Punkt, an dem sonst unnötig früh Schimmel entstehen kann.

Wenn es schon zu spät ist

Zeigt sich trotz allem ein Fleck, ist Vorbeugen erst mal zweitrangig – dann geht es ums Entfernen und, viel wichtiger, ums Finden der Ursache. Wie Sie kleine Stellen selbst behandeln und wann die Sache in Fachhände gehört, lesen Sie unter Schimmel an der Wand entfernen. Im Zweifel schicken Sie mir einfach ein Foto.

Wie oft am Tag sollte man lüften?

In bewohnten Räumen sind drei- bis viermal täglich einige Minuten Stoßlüften ein guter Richtwert – morgens, abends und immer dann, wenn viel Feuchtigkeit entsteht, etwa nach dem Duschen oder Kochen. Entscheidend ist der schnelle, vollständige Luftaustausch bei weit geöffnetem Fenster, nicht das dauerhaft gekippte Fenster.

Ist ein gekipptes Fenster nicht besser als gar nichts?

Zum Entfeuchten kaum. Ein dauerhaft gekipptes Fenster tauscht nur wenig Luft aus, kühlt dafür aber die Laibung rundherum stark ab – genau dort entsteht dann gern Schimmel. Kurzes, kräftiges Stoßlüften bei ganz geöffnetem Fenster bringt in wenigen Minuten mehr trockene Luft herein und lässt die Wände nicht auskühlen.

Sollte man ungenutzte Räume ganz kalt lassen?

Besser nicht. Ein völlig ausgekühltes Schlaf- oder Gästezimmer ist anfällig, weil warme, feuchte Luft aus beheizten Räumen an den kalten Wänden kondensiert. Halten Sie auch wenig genutzte Räume auf einer moderaten Grundtemperatur (etwa 16–18 °C) und lüften Sie sie regelmäßig; die Tür zu stark beheizten Räumen dabei geschlossen halten.

Warum ist Schimmel in Neubauten oder nach dem Renovieren ein Thema?

Frischer Putz, Estrich, Spachtelmasse und sogar neue Farbe geben über Wochen viel Wasser an die Raumluft ab. Diese Baufeuchte muss raus. In dieser Phase sollte man deutlich häufiger lüften als sonst und ausreichend heizen, sonst kann selbst in einem ganz neuen Raum Schimmel entstehen.

Weiterlesen: Schimmel an der Wand entfernen · Schimmel entfernen & überstreichen lassen · Welche Wandfarbe wofür? · Innenanstrich · alle Ratgeber-Artikel

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